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  • Kritik: Hedda Gabler von Henrik Ibsen

  • Theater an der Josefstadt.

  • 10.03.2013
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  • Das Stück spielt in Oslo im Hause Tesman. Die Villa, die Heddas Gemahl Jørgen Tesman (Michael Dangl) für seine Frau gekauft hat, ist praktisch leer. Gleich nach Beginn wird ein weißer Schonbezug, der sich über die ganze Breite erstreckt, weggezogen. Dahinter eine seltsame Möbelwand, die hoch aufragt, fast bedrohlich. Man kann auf ihr lauern, unten auf ihr sitzen, liegen, oder merkwürdige Turnübungen vollbringen. Und kommt ein Auftritt, öffnet sich in der Mitte ein Spalt. Dieses Ungetüm wurde zur Gänze mit einem Teppich verkleidet, der im Muster an den Bezug von Sigmund Freuds Couch erinnert. Der dicke Teppich verströmt den Duft eines 19.-Jahrhundert-Salons, er riecht nach Unglück und nach dem Gefängnis eines spießigen Bürgerlebens, das zu Ibsens Zeiten für Frauen nicht besonders verheißungsvoll war. Tesman lässt Hedda Gabler, gespielt von der großartigen Maria Köstlinger, von Anfang an links liegen und beschäftigt sich viel lieber mit dem "Kunsthandwerk im mittelalterlichen Brabant", obwohl doch erst von der Hochzeitsreise zurückgekehrt. "Du Idiot", möchte der männliche Theaterbesucher ihm zurufen, unterlässt es aber, um die anderen Gäste nicht zu stören. Tesman ist zweifellos ein gewissenhafter Mann, der während der sechsmonatigen Reise hauptsächlich an seinem Buch gearbeitet hat, von dem er hofft, dass dessen Veröffentlichung ihm eine Professur an der Universität einbringen wird. Vertieft in seiner Gedankenwelt, heftet Tesmann seine Exzerpte Zettel für Zettel an die Wand, eine Technik, mit der man heutzutage wohl nicht mehr Professor wird. Hedda betrachtet ihren Mann mit Gleichgültigkeit, ja Abscheu; er besitzt überhaupt kein Gespür für ihre Weiblichkeit. Zwei Utensilien, die das Paar aufbewahrt, zeigen ganz deutlich die Gegensätzlichkeit der Eheleute: ein Paar alter Pantoffeln von Tesman und eine Pistole aus dem Nachlass von General Gabler, ein gefährliches "Spielzeug" Heddas. Der schönen Hedda wird die Sinnlosigkeit ihrer Ehe besonders deutlich vor Augen geführt, als sie erfährt, dass Ejlert Løvborg (Raphael von Bargen) wieder in der Stadt ist. Løvborg und Hedda hatten einige Jahre zuvor eine äußerst intensive Liebesbeziehung. Der Kulturwissenschaftler Løvborg hatte sich nach Alkoholexzessen als Lehrer aufs Land zurückgezogen und dort mit Hilfe der verheirateten Thea Elvsted (Raphaela Möst) an einem soeben publizierten Buch gearbeitet. Wenn das Buch ein Erfolg wird, könnte Løvborg für Tesman ein beruflicher Konkurrent werden. Der lüsterne Gerichtsrat Brack (Peter Scholz), berichtet Heddas Ehemann, dass Løvborg bereits das Manuskript zu seinem zweiten Buch fertig gestellt hat. Damit wird er für Tesman zu einem ernsthaften wissenschaftlichen Rivalen. Nun sieht Hedda ihre Stunde gekommen. Sie ist getrieben von dem Gedanken: "Ich möchte ein einziges Mal in meinem Leben die Herrschaft haben über ein Menschenschicksal". Diese Macht über ihren Mann auszuüben, interessiert Hedda nicht, er besitzt in ihren Augen keinen Wert. Løvborg hingegen schon. Sie bringt die Männer dazu, gemeinsam auf eine Feier zu gehen. Løvborg, der mit seinen Erinnerungen an die Beziehung zu Hedda nicht fertig wird, gibt seine Enthaltsamkeit auf und betrinkt sich. Die Feier artet zu einem Saufgelage aus. Zu allem Überdruss verliert Løvborg auch noch sein Manuskript. Somit ist die Zerstörung seiner Karriere praktisch vorprogrammiert. Ausgerechnet Tesmann findet das Manuskript und legt es Hedda förmlich in den Schoß. Das Unglück nimmt unaufhaltsam seinen Lauf und endet schließlich in einem gesellschaftlichen Fiasko.bStarkes Ensemble, starke Regie - ein überzeugender Theaterabend.

  • Quelle: MED-Reporter.at / Stefan Franke

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