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  • Kritik: Der Mentor von Daniel Kehlmann

  • Theater in der Josefstadt: pointenreiches Sprechstück über Schriftstellerdasein und -bewusstsein.

  • 10.03.2013
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  • Die Konstellation ist reizvoll: Ein großzügig gesponsertes "Mentoren-Projekt" einer Kulturstiftung spannt einen alten mit einem jungen Autor zusammen, um diesem mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das kann eigentlich nicht gut gehen, aber es sind glückliche Voraussetzungen für einen vergnüglichen Theaterabend.

    Zwei Literaten treffen sich also im Rahmen eines Kulturprojekts in einem abgeschiedenen Herrenhaus. Der angesehene Benjamin Rubin (Herbert Föttinger) soll als Mentor mit einem jüngeren Kollegen (Florian Teichtmeister) an dessen Theaterstück arbeiten. Eine Woche intensiver Gedankenaustausch in der Natur, direkt an einem Teich, umsorgt vom rührigen Kulturfunktionär Wangenroth (Siegfried Walther). Schon bei der Ankunft machen sich die ersten Konflikte bemerkbar. Martin Wegner begrüßt den berühmten Benjamin Rubin mit einem Stanley-Zitat (im Original: Dr. Livingstone, I presume) und sorgt sofort für Verwirrung, da Rubin die Pointe nicht versteht. Die beiden Schriftsteller begegnen einander nicht eben mit Sympathie und wissen eigentlich gar nicht, was sie miteinander anfangen sollen. Wegners Frau Gina (Ruth Brauer-Kvam) ist eine glühende Verehrerin Rubins, ein weiterer Konfliktpunkt. Das einzige, was die beiden Schriftsteller verbindet, ist die Freude am hohen Honorar.

    Kehlmann hat ein sehr konventionelles Stück geschrieben, das von seinen gut gesetzten Pointen, seinen netten Klischees und seinen lockeren Gemeinplätzen lebt. Das Stück "Der Mentor" ist ein pointenreiches Sprechstück über Schriftstellerdasein und -bewusstsein. Es sorgt jedenfalls für Kurzweil, aber für mehr reicht es leider nicht.

  • Quelle: MED-Reporter.at / Stefan Franke

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