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  • Theater-Kritik: Wunschloses Unglück

  • Nach Motiven aus der Erzählung von Peter Handke - Kasino am Schwarzenbergplatz

  • 28.02.2014
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  • Die Regisseurin Katie Mitchell hat eine von Duncan MacMillan verfasste Bühnenversion der Erzählung inszeniert, die bilderreich das Besondere an Handke verdeutlicht. Die Vorbereitung zum Tod, die Anreise des Sohnes, die Begegnung mit der Schwester, die Spurensuche - die Regisseurin beschränkt sich auf wenige Momente. Katie Mitchell inszeniert Wunschloses Unglück wie einen Thriller, trotzdem ist es stimmig: Wie der Kriminalist muss der Schriftsteller genau hinschauen, bevor er seine Beobachtungen zu einer Geschichte zusammensetzt. Der Krimi-Eindruck entsteht letztlich auch dadurch, dass Mitchell auf die spezielle Form von Kino-Theater setzt, die in den letzten Jahren zu ihrem Markenzeichen geworden ist: Die Bühne ist ein Filmset, in dem vor den Augen des Publikums ein Film gedreht wird. Doch die Hauptdarsteller (Dorothee Hartinger als Mutter Maria, Liliane Amuat als deren Tochter Monika, Daniel Sträßer als Marias Sohn Peter) schweigen. In einem Nebenraum links befinden sich die Sprecher (Petra Morzé und Peter Knaack). In einem kleinen Tonstudio erzeugt eine Geräuschemacherin, die der Besucher bei der Arbeit beobachten kann, den Sound zu den Bildern. Auf der Bühne bewegt sich eine Crew, die mit Live-Kameras hunderte Einstellungen generiert. Auch die Darsteller helfen manchmal mit, damit es schneller geht. Der stimmig mit Musik unterlegte Film wird simultan gezeigt - schwarz-weiß, wenn es um das Sterben der Mutter geht, in Farbe bei den Kindern, dem Schwiegersohn (Laurence Rupp), dem Pfarrer (Robert Reinagl). Die Bühne ist oben eine breite Leinwand, unten ist sie der Nachbau des Hauses der Mutter. Im Detail sind Küche, Schlaf-, Wohnzimmer und diverse Räume den frühen Siebzigerjahren nachempfunden.

    Die Szenen fügen sich mühelos ineinander, die Darsteller sind konzentriert und agieren hochprofessionell. Hartinger zeigt das unglückliche Frauenleben auf dem Lande in all seiner Tragik, indem sie sich wortlos auf den Tod vorbereitet.

    Der Sohn öffnet in seiner Wohnung den Abschiedsbrief, er liest das Testament und ergreift ein winziges, grob gerastertes Foto seiner Mutter. Man sieht ihn im Flugzeug und bei der Ankunft in Kärnten, wo ihn die Schwester empfängt. Stumm gehen sie miteinander um. Immer wieder kreisen die Szenen um den Freitod, Rituale, die Erinnerungsversuche der Kinder. Es ist ein sehenswerter Theaterabend, wenn auch der etwas anderen Art.

  • Quelle: MED-Reporter.at / Stefan Franke

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